Muttertag im Ballenberg |
| Posted by Martin Ottiger (admin2) on Sunday, 24th February, 2008 |
Das Freilichtmuseum Ballenberg in Brienz ist immer wieder ein Besuch wert. Schon zum vierten mal bin ich da an diesem Muttertag, in ebendem Ballenberg.Urschweizerisch am geneigten Hang ob Brienz stehen unserer Vorfahren Gebäude, ihre damaligen Arbeitzszeuge und andere Zeugen ihrer Lebensweise.Genau vor zwei Jahren stand ich ungläubig vor der Mühle mit auf Hochgeschwindigkeit beschleunigtem Wasserstrahl als Antrieb. Zweifellos sahen wir ein höchst interessantes High-Tech Zeitzeugnis unserer Vorfahren. Ich staunte sehr und wunderte mich gleichzeitig, wie dannzumal diese Druckschaufeln und Räderwerke mit den sicherlich sehr einfachen Handwerkzeugen so präzise hergestellt werden konnten.Zeit hatte damals eine andere Bedeutung und einen Terminplan mitsamt gestresstem Projektleiter gab es weit und breit nicht - von einer Deadline wollen wir gar nicht Reden.
So gab uns das Highlight dieses Jahr direkt eine Antwort darauf, wie mit einfachen Mitteln Präzise Arbeit erledigt wurde.
Und wir fanden, dass Hand anlegen Sympathie bringt und sprichwörtlich Tür und Tor öffnet.
Unsere Tour führte uns vom Osteingang Brienzwiler durchs Wallis, vorbei am ewig werkenden und Schweigenden Töpfer und den vollbeschäftigten lauten Schmiedemännern (am Sonntag!) ins Berner Oberland und schliesslich in die Zentralschweiz.
Für die Kinder war der Sauen- und Säuliplatz, das Karussell und die “Riitiseili” der grosse Spass. Der Umweg ins Tessin zum frisch erstellten Tessiner Wohn- und Wirtschaftsgebäude war die Zeit Wert. Nochmals die Zentralschweiz streifend erreichten wir das Östliche Mittelland. Und dort fanden wir den symphatischen Sägermeister am Chrampfen.
Er hatte gerade einen Stamm fertig zersägt und schob, riss und zerrte die frisch gesägten Bretter mit mühe zur Seite auf die Beige. Wir legten Hand mit an und hatten die Bretter schnell zur Seite geschafft.
Als Dank lud uns Herr Sägemeister zu einer Spezial-Tour durch die nichtöffentlichen Bereiche der Wasserrad-getriebenen Sägerei ein.
Beeindruckt haben mich die Riemengetriebenen um- und Übersetzungen im Keller. Teils gekreutzt treiben diese Lederbänder nicht nur das auf und ab bewegende Sägeblatt an, sondern sorgen für stetigen Vorschub des Stammes beim Sägen. Ein Schnellvorschub für das bewegen des Stammes in eine Ideale Sägeposition während des einrichtens ist möglich und auch eine schnellaufende Kreissäge wird von diesem Keller angesteuert.
Triebkraft ist ein (gar nicht so stark fliessendes) Gewässer, dass über Holzkanäle zielgenau auf das grosse Wasserrad geleitet wird. Mit bestem Blick aus dem Heiligtum - die Gerätekammer auf dem Sägeboden mit Schnapsflasche, geschliffenen Sageblättern und dem Znüni - mit bestem Blick also konnten wir durch das Fenster dem An- und Abstellen des Wasserrades fasziniert zusehen.
Wir waren also wieder oben auf der Sägeebene und der Sägermeister zeigte uns nun das aufziehen eines Stammes vom Holzlager nebenan. Mit einer ebenfalls vom Riemen- und Räderwerk im Keller angetriebenen Seilwinde rollte er den Stamm zur Sägebühne, dann wurde eingespannt in die Baumzange und schliesslich erfolgte das Sägen selbst.
Ein ungemein interessantes Erlebnis. Danke, Herr Sägermeister, das war wirklich gut. Ihren Namen kennen wir leider nicht.
Aber einen Rat an andere Besucher habe ich: Hände aus dem Sack und anpacken, es lohnt sich!
Zugegeben, die Wasserradbetriebene Sägerei wirkt heutzutage veraltet und einfach. Aber was mich am meisten überrascht hat ist die Schnittfläche der gesägten Bretter. Sie ist perfekt sauber und glatt. Präzisionsarbeit eben.
So hatten Benu und Tatjana, die Kinder Julia und Lars, Olivia, Sven und Eoban und auch ich einen weiteren Muttertag währschaft genossen. Toll wars.
Last changed: Sunday, 24th February, 2008 at 18:56:11
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